Satire der Woche
Helmut Eckl
"Bücher"
Natürlich mag ich Bücher. Warum soll ich keine Bücher mögen. Ich liebe Bücher.
Wenn ich die frischen Druckseiten reiche, bin ich glücklich. Da spür ich Wörter,
Sätze, Tragödien. Das echte Leben spielt sich eh nur in den Büchern und im
Kopf ab. Das wahre Abenteuer tobt im Kopf. Was ist dagegen schon das
wirkliche Leben. Da kommst auf die Welt, lebst und stirbst. Im Kopf kommst
pausenlos auf die Welt, weinst magst, da lebst hundert Leben, wenn es dich
freut, da überlebst den Tod, wenn dir danach is, stirbst und wenn’s dir dann im
Himmel fad wird, kommst einfach wieder auf die Welt. Und verlieben kann ich
mich im Kopf auch so oft ich will und keine kann was dagegen tun. Ich kann
sogar einem die Gurgl durchschneiden, ohne dass mir was passiert und ich sag
Ihnen, dem wollt ich die Gurgl schon immer durchschneiden. Im Kopfleben trink
ich eine Flasche Whisky und rauch Roth Händle dazu. Im richigen Leben lall ich
ja schon nach ein paar Weißbieren und hust mir bei jeder Zigarette die Lunge in
Fetzen. Im Kopfleben hau ich dem Tod in die Fresse, dass das Blut spritzt und
die bleichen Knochen klappern. Im richtigen Leben tropft mir der Angstschweiß
auf die Plattfüße.
Ich mag Bücher. Ich mag nur keine Bestseller. Ich kauf keine Bestseller, weil
Millionen Bestseller kaufen. Da lesen Millionen Wörter, die nur für mich bestimmt
waren. Millionen denken wie ich denke, wer bin ich dann? Ich möchte amal ganz
allein für mich einen Bestseller haben. Ich möchte ganz allein in die frischen
Druckseiten riechen.
Wahrscheinlich werd ich nie einen Bestseller für mich allein haben, im wirklichen
Leben. Ansonsten hab ich schon a paar gschrieben, das könnens mir glauben.
Das wahre Leben spielt sich nämlich doch im Kopf ab.